Leben in Kolumbien – mehr aus Medellín

Inhalt

ein Monat Kolumbien
Busfahren
Die Liebe
Großer weißer Mann
Español
Negative Aspekte
Tanzen
Progress
Kolumbianer über Deutschland
my Job
Zonalito
Plata – Geld
Medellín Downtown
Fazit

  

ein Monat Kolumbien

 

Zeit einmal zu Resümieren? Die anfängliche Phase, in der alles so neu war, das ich nicht glauben konnte, dass ich mal irgendwie ein bisschen was kennen werde ist nun schon langsam vorbei, zumindest, was mein tägliches Leben angeht. Alle Wege von meinem Haus zur Arbeit sind erkundet und auch das Essen ist nicht mehr jeden Tag eine Überraschung. Oder um es anders auszudrücken: Irgendjemand liebt hier Nudeln mit Thunfisch! Die gibt es nämlich jede Woche. Glücklicherweise schmecken die ganz gut.
Aber nach wie vor gibt es viele viele interessante Dinge zu erfahren und zu entdecken, die meinen Pioniergeist fordern. Und so genieße ich meine Zeit hier, arbeite, treffe mich mit Freunden, gehe in die Disco, erkunde die Stadt, …
Ich habe mich selbst inzwischen übrigens schon ein paar mal dabei “erwischt”, dass ich zu dem Haus hier, “zuhause” gesagt habe, ich fühle mich also schon etwas heimisch hier.
  

Busfahren

 

Für alle Ignoranten (wie mich), die meinen es gibt einen Fahrplan oder eine Karte, wo welcher Bus lang fährt: Nein, das gibt es nicht! (Auch nicht, wenn man wie ich mehrmals verschiedene Leute danach fragt.) Jeder Bus hat vorne eine kleine Tafel, auf der ungefähr steht, wo er lang fährt. Wer es genauer wissen will muss mitfahren.
Das geht dann ziemlich einfach: Wenn der Bus vorbeikommt den Arm raushalten und er hält an. Wenn es sein muss auch alle 10 Meter. Das Einsteigen kostet 800 Pesos (25 Cent) und alle Busse die ich bis jetzt kenne fahren dafür mindestens bis in die Innenstadt. Idealerweise hat man das Geld während dem Warten auf den Bus schon abgezählt oder kleingewechselt. Mein Versuch mit einem 10.000-Pesos-Schein zu zahlen hat damit geendet, das ich zu Fuß gehen musste.
Wenn man wieder raus will drückt man einen Knopf und springt hinten raus, wenn der Busfahrer für den Bruchteil einer Sekunde anhält. Oder man geht nach vorne zum Fahrer und sagt ihm genau, wo man raus will und da hält er dann auch und lässt einen aussteigen.
Letzten Samstag wollte ich mit dem Bus zum Einkaufszentrum fahren und bin frohen Mutes eingestiegen. Doch der Bus ist zwar in der Nähe des Einkaufszentrums rumgekurvt aber nie daran vorbei gefahren. Irgendwann hat er dann den Weg Richtung Innenstadt eingeschlagen und mir war klar, dass er wohl nicht mehr am Einkaufszentrum vorbeikommen wird. Nachdem er dann durch ein paar Viertel gefahren ist, wo ich mit meiner Kreditkarte in der Tasche lieber nicht aussteigen wollte, hat er in der Nähe der Innenstadt angehalten. Ich habe die Gelegenheit genutzt und bin ausgestiegen und immer Richtung der paar Hochhäuser die im Zentrum stehen gegangen. Wer weiß wo der Bus danach noch hingefahren wäre. Beim rumlaufen habe ich dann tatsächlich auch ziemlich schnell den Bus gefunden, der von der Innenstadt aus zu meinem Einkaufszentrum fährt.
  

Die Liebe

 

Ich suche mir aber auch immer die leichtesten Themen aus, also wie fange ich an? Am Anfang kam ich mir hier etwas vor wie in einem Liebesnest. Mein Eindruck ist, dass die Freunde hier zärtlicher miteinander umgehen, als in Deutschland und es schwingt immer etwas Liebe mit. So ist es etwa nichts Besonderes wenn zwei Freunde (Männlein und Weiblein müssen sie aber schon sein) Arm in Arm spazieren gehen. Oder sich mal in den Arm nehmen. So etwa wie richtig gute Freunde in Deutschland.
Hier gibt es dann auch zwei verschiedene Wörter für Liebe. Einmal “querer” für richtig super gute Freunde und die Familie. Und “amar” wenn man wirklich von Amors Pfeil getroffen wurde. Dabei kann man auch über die Freundin (den Freund) sagen dass man ihn/sie “quiere” oder “ama”, je nachdem, wie verliebt man ist.
Eine für mich ziemlich schockierende Erfahrung war, dass hier Jungs auch gelegentlich mehrere Freundinnen haben. Anfangs kennen sich die verschiedenen Freundinnen normalerweise nicht aber nach einiger Zeit finden sie es natürlich heraus. Ob sie damit ein Problem haben und den Jungen verlassen oder nicht ist unterschiedlich. Ich kann mir die Situation ehrlich gesagt nicht so ganz vorstellen und erst recht nicht wie man sich dann so fühlt. Gerne würde ich mich da mal intensiver mit den entsprechenden Jungen und Mädchen unterhalten, aber bei dem einzigen solchen Paar, das ich bis jetzt kenne, weiß sie noch nichts davon und da möchte ich mich dann lieber nicht einmischen. Sie sieht so glücklich aus – sie tut mir echt leid.
In dem Dorf wo Maria her kommt ist es aber ganz normal, dass ein Mann gleich einen ganzen Schwung Frauen hat. Maria hat übrigens nur knapp gegen mich verloren, als es darum ging, wer denn am längsten nach Hause braucht: 8 Stunden mit dem Bus, dann 2 Stunden zu Fuß und noch weitere 4 Stunden mit dem Boot.
  

Großer weißer Mann

 

Das bin ich. Ich bin jetzt ja nicht der Riese schlechthin und Leute (oder zumindest Frauen) mit blonden Haaren sind hier inzwischen auch keine Seltenheit mehr. Aber trotzdem werde ich schon manchmal erstaunt angeschaut. So bin ich mal an einem Schulbus vorbeigegangen und die Kinder haben dann alle verblüfft rausgeschaut.
Oder im Büro fragen viele der Kunden meinen Chef, wer ich den bin. Das die Augen von Passanten auf der Straße gelegentlich mal länger auf mir ruhen, daran habe ich mich inzwischen schon gewöhnt. Es ist aber kein schlechtes Gefühl, wie es wohl den Schwarzen etwa in Deutschland entgegen kommen dürfte, da hier keiner was gegen Ausländer wie mich hat. Nur Verwunderung.
Das meiner Sicht nach einzig besondere an mir ist, das ich blaue Augen habe und das habe ich bis jetzt bei noch niemand anderem gesehen. Aber als ich mich mit Catalina mal unterhalten habe, was denn nun hübsche Männer sind, und wir auch auf die Frage gekommen sind, ob ich den nun hübsch bin oder nicht, hat sie gemeint das kann sie nicht beurteilen, weil ich so anders aussehe. Ob das nur eine Ausrede war? Außerdem habe ich schon gehört, dass ich ein Mädchengesicht habe. Was man so alles lernt, wenn man ins Ausland fährt. Da bin ich mal gespannt, was da sonst noch alles so bei raus kommt.
  

Español

 

Ich hoffe ihr lernt alle schön fleißig mit, damit wir uns dann auch unterhalten können, wenn ich wieder in Deutschland bin! Falls ihr trotzdem nichts versteht könnt ihr euch von Übersetzungstools im Internet helfen lassen. Entonces, y ahora solamente hablamos en Español! Ihr seht für einfache Unterhaltungen reicht es inzwischen schon. Und wenn in dem Satz noch Fehler drin sind, so ist das nur ein Zeichen dafür, dass ich das Spanisch wohl noch nicht ganz perfekt kann. Inzwischen hat mir auch mal netterweise jemand gesteckt, dass das r hier mit der spitzen Zunge gesprochen wird und nicht wie im Deutschen im Hals gebildet wird. Und Dank der Hilfe von Juan und 10-minütigem Sprachtraining beim Nachhausegehen kann ich nun auch “Jorge” aussprechen (ungefähr “Horrhe”).
Die Kolumbianer erzählen mir hier dauernd was von Dialekten und ob ich gehört habe, wo der Typ mit dem wir gerade geredet haben her kommt. “Mann! Ich versuche wenigstens mitzubekommen, worum es in den Unterhaltungen überhaupt geht! Dialekt, das ist wirklich das letzte was mich momentan interessiert!” Da wo Andrea (eine AIESECerin) her kommt gibt es jedenfalls einen Dialekt, wo man mehr singt als spricht. Der Dialekt in Medellín zeichnet sich dadurch aus, das man sehr klar, deutlich und langsam spricht. Das habe ich ja gut getroffen zum Spanisch lernen!
Meine Lieblingswörter sind “super bueno”, “super bacano” und “super lindo”. Irgendwie hört sich die Kombination von “super” mit spanischen Wörtern ziemlich lustig an. (“bacano” ist im Dialekt der Paisa und bedeutet “toll”.)
Was mein Langenscheidts Euro-Wörterbuch so manchmal zu Tage fördert ist übrigens auch ganz nett. So steht da als Übersetzung von “Toilette” das Wort “lavabo”, was aber hier “Waschküche” bedeutet. Das wo man sich drauf setzt und Ballast abwirft heißt “sanitario”. Ob die Spanier (es heißt Euro-Wörterbuch) in die Waschmaschine scheißen? Oder in der Toilette die Kleidung waschen?
  

Negative Aspekte

 

So, jetzt lasse ich es aber mal raus! Es gibt natürlich auch ein paar Punkte die mir nicht so gut gefallen.
Etwa wenn ich morgens um 6 Uhr aufstehe und dann wird einem gleich fröhlich ein guter Tag gewünscht, anstatt einem halb verschlafenen “Morgen” wie es um diese Uhrzeit eher meiner Verfassung entsprechen würde. (Das war vor allem am Anfang schlimm, inzwischen habe ich mich da wohl schon dran gewöhnt.)
Dann geht’s ab unter die Dusche und zwar noch vor dem “auf’s Klo gehen”, denn wenn der Wasserkasten wieder voll läuft und man gleichzeitig duschen will kommt nur noch halb so viel Wasser aus dem Duschkopf. Das wäre jetzt nicht so schlimm, aber der Durchlauferhitzer für das Duschwasser arbeitet trotzdem mit voller Kraft. Folglich wird es dann so richtig schön warm (etwa so, wie wenn man in einen heißen Tee reinlangt) und man kann immer abwechselnd für ein paar Millisekunden einen Körperteil unter das Wasser halten. Daher der Durchlauferhitzer “Automatik 5-Sterne” heißt gibt es auch keinen Temperaturregler oder sowas. Aber selbst, wenn man sich trotz morgendlicher Benommenheit das Spülen am Klo verkniffen hat ist man nicht sicher, denn es kann natürlich auch jemand Anderes im Haus den Wasserhahn aufmachen.
In dieser Woche haben mir schon 3 Mal irgendwelche Typen (sie sahen arm aus, also sowas wie Bettler) quer über die Straße hinterher gerufen. Irgendwie habe ich mich dadurch wie ein Vieh gefühlt, was sie nur melken wollen, völlig ohne Taktgefühl. In Wirklichkeit weiß ich folglich nicht was sie wollten, denn ich habe sie einfach ignoriert und bin weitergegangen. So nicht!
“Could not locate remote server” oder mit anderen Worten: Die Internetverbindung geht schon wieder nicht. Und das natürlich immer dann, wenn ich mal dringend was im Internet nachschauen muss oder diesen Artikel hochladen will. Vor zwei Wochen ging gleich für 4 Tage nichts, weil der InternetServiceProvider irgendwas umgebaut hat. Juan sagt dazu: “Flo, ohne Internet bist du tot.” Stimmt nicht ganz, aber doof ist es schon!
Die Fenster kann man nicht aufmachen. Die bestehen hier ähnlich wie eine Jalousie aus vielen Lamellen und man kann sie drehen. Allerdings kann man nicht wirklich seinen Kopf raus strecken und die Frischluft mit beiden Armen greifen. Ich weiß auch nicht wieso, aber ich fühle mich dadurch irgendwie etwas eingesperrt oder in meiner Bewegungsfreiheit beschränkt. Sicher kann ich raus gehen und es ist auch praktischer denn daher die Fenster immer offen sind würden sie ja sonst im Weg umgehen. Ich weiß auch nicht so recht, aber in mein Haus würde ich Fenster einbauen, die man ganz auf machen kann.
So wirklich schlimm ist es hier also nicht. Oder um es anders auszudrücken, es gefällt mir hier echt sehr gut!
  

Tanzen

 

Ich war natürlich inzwischen schon ein paar Mal in der Disco und zu Vallenato zu tanzen kriege ich hin. Das schwierigste für mich ist das hier hauptsächlich mit der Hüfte getanzt wird und meine Hüfte hat noch nicht so ganz das nötige Taktgefühl, aber sie strengt sich an. Außer den Paartänzen (Salsa, Merenge, Vallenato) gibt es auch noch welche, bei denen alle im Kreis stehen und tanzen und einzelne tanzen dann abwechselnd in der Mitte. Wo die Anderen außenrum dann zu johlen anfangen ist wenn ein Mädchen in der Mitte tanzt und von vorne und von hinten dann jeweils ein Junge auf sie zu tanzt (oder natürlich auch 1 Junge mit 2 Mädchen). Das ist irgendwie doof zu beschrieben, ich muss da wohl mal ein Photo von machen. Die mit Abstand besten Tänzerinnen sind übrigens Juli und Ernesta (Praktikantin aus Litauen). Bei den Männern ist das nicht so eindeutig, bis auf den Schlechtesten. Wer das wohl ist?
Mehr oder weniger alles was nicht Salsa, Merenge, usw. ist, heißt hier Rockmusik. Und die meisten Jugendlichen mögen entweder das eine oder das andere lieber, gehen aber auch in die Discos der anderen Richtung. Die Discos haben bis auf Musik, Lichteffekte und tanzende Leute mit den deutschen Pendants eher wenig gemein, d.h. es gibt Tische und Stühle für alle, wie in einer Bar und die Größe der Location ist auch in etwa so. Wenn man dann tanzen will steht man einfach auf und legt los. Je nach deren Bauart auch auf den Tischen und Stühlen. Die Kellner sind übrigens hauptsächlich damit beschäftigt neues Eiswasser und Schälchen mit Früchten oder Popcorn unter die Leute zu bringen. Das ist hier alles kostenlos und wird auch wirklich ständig aufgefüllt (etwa 2 Schälchen und 2 Becher Eiswasser pro Person und Abend). An der Bar, denn wie in Deutschland ist natürlich der Kellner der für einen zuständig ist weit und breit nicht in Sicht, wenn man ihn braucht. Also, an der Bar, holt man sich dann den Aguardiente oder Rum in Halbliterflaschen.
So um 2 Uhr machen dann die meisten Discos wieder das Licht an und man muss sich an der Bar einen Zettel holen, den man am Ausgang abgibt. Was das den komisches ist? Beim ersten Mal habe ich die Antwort bekommen: “Das ist halt so, weiß auch nicht.” Und beim zweiten Mal: “Frag’ nicht!” und “Don´t worry man!”. In el Poblado (einem der Party-Viertel von Medellín) geht man dann in den Park, kauft sich eine frittierte dicke Wurstscheibe mit Mini-Arepa und was zu trinken und trifft sich mit den Freunden, die in anderen Discos waren.
Am Ende wird dann nach Wohngegend sortiert und es geht mit dem Taxi heim.
  

Progress

 

Um euch auf dem Laufenden zu halten, hier ein paar Fakten und Dinge, die sich seit dem ersten Bericht geändert haben:
1. Ich bin jetzt schon seit 5 Wochen hier und habe immer noch keine novia, die ich möglichst schnell heiraten will.
2. Ab nächster Woche wird in meiner Firma nicht mehr am Samstag gearbeitet, dafür dann 9,5 Stunden pro Tag unter der Woche.
3. Gestern habe ich zum ersten Mal seit ich hier bin einen Pullover angezogen. Nach einem Gewitter mit Hagel hatte es gestern Abend nur noch 17°C. Das ist hier in Medellín ungefähr das Kälteste, was es gibt. Das hätte ich zwar nicht gedacht, aber nach über 2 Wochen jeden Tag Sonnenschein und 35°C habe ich mich schon etwas nach Sturm, Regen oder sonst welchen Wetterkapriolen gesehnt. Immer nur das gleiche Wetter ist auf die Dauer irgendwie langweilig.
4. Die häufigsten Fragen lauten natürlich: Qué tal? Bien o que? Qué mas? Cómo estás? Bien o no? Bien? Entonces? Qué fuiste? usw. Als Antwort kommt in Frage: Bieeen. Bien, y tú? Bien, muy bien. Bien, bien. Von Juan (meinem Zimmerkollegen im Büro) habe ich außerdem schon gehört: “So-so.” und “Horible, tengo mucho dolor de cabeza!” Und wenn einem das alles zu doof ist, kann man einfach mit einer der Fragen antworten und dann ist der Andere wieder dran. Manchmal muss ich schon schmunzeln über dieses etwas inhaltslose Gefrage. Aber es ist auch schön weil man sich dann gegenseitig immer anlächelt wenn man “bien” sagt.
5. Das mit Abstand beste, was ich jemals in meinem Leben gegessen habe sind frittierte “platanos negros” (süße, schwarze Platano = Kochbanane) mit Honig. Da habe ich mir echt gedacht “So, und wenn jetzt der Tod kommt ist das auch nicht so schlimm. Ich habe das beste Essen der Welt gehabt, was will man mehr? Mampf, mampf.” Es besteht aber kein Grund sich um mein Lebensende Gedanken zu machen. Ich habe noch keine diesbezüglichen Pläne. Außer, dass ich “platanos negros” mit Honig noch mindestens 10.000 Mal essen will. Ich habe also noch was vor und kann noch nicht in die Kiste springen. :-)
6. Es gibt hier ungefähr 100 verschiedene Sorten von Mango. Die häufigsten sind:
– grün, zitronengroß, von der Konsistenz wie ein Apfel und man isst sie in Stücke geschnitten mit Schale, Salz und Zitrone.
– mittelgroß (wie Aguacate = Avocado), gelb-rot-grün und zum Saft machen
– etwa so groß wie ein Schuh Größe 35, gelb-rot-grün, ziemlich süß und wird ohne Schale gegessen
Ähnlich ist das auch mit vielen anderen Früchten, die wir so in Europa als eine Frucht kennen: Kartoffeln, Bananen, Platanos.
7. Zum Straßenverkehr: Wenn man irgendwas machen will, was die Anderen gefährdet oder gegen die Verkehrsregeln ist, muss man nur vorher hupen. Zum Beispiel kann man dann, links überholen auch, wenn der vor einem gerade links abbiegen will oder über die Kreuzung fahren, wenn jemand anderes Vorfahrt hat. Das es trotzdem meistens gut geht liegt wahrscheinlich daran, dass zumindest die Busfahrer jede Menge Heiligenbildchen und Schutzpatrone dabei haben. Die Ähnlichkeit mit einer Kirche ist manchmal echt frappierend. Alle sitzen auf ihren Bänken, blicken nach vorne zu den Heiligen und Kreuzen und als Predigt erzählt ein Bettler, wie schlecht es ihm geht und das man bitte eine milde Gabe geben soll. Wenn man gespendet hat, darf man auch die Süßigkeit, die er vorher verteilt hat (als Abendmahl?) behalten.
Sowieso ist der Verkehrsteilnehmer hier viel mündiger als in Deutschland. Er kann selbst entscheiden, wie schnell er fahren will (z.B. nachts 100 km/h in der Stadt) oder ob er über die Kreuzung fahren will (die rote Ampel ist nur eine Art Hilfsmittel, wenn viel los ist). Auch der Fußgänger ist natürlich frei und kann dort über die Straße gehen wo gerade Platz ist. Allerdings sollte er schon etwas Sportlichkeit mitbringen um rechtzeitig wieder am rettenden Ufer des anderen Bürgersteigs zu sein. So schlimm und chaotisch, wie das jetzt klingt ist es aber nicht. Im Großen und Ganzen läuft der Verkehr schon ziemlich ordentlich ab.
Außerdem hatte ich ja von den Kunstdarbietungen an den Ampeln erzählt, jedoch vergessen zu erwähnen, dass man da natürlich auch was kaufen kann. So laufen da zwischen den Autos dann (wie in der ganzen Innenstadt) Leute mit einem Bauchladen rum und verkaufen Zigaretten, Bonbons oder Wasser in Plastiktüten. Gelegentlich werden einem aber auch Netze mit Orangen, Zeitungen oder Weltkugeln angeboten. Ja, Weltkugeln, so im Durchmesser von 15 cm bis 50 cm. Was man halt so braucht, wenn man gerade an einer Kreuzung steht und wartet, dass es grün wird.
8. Seit gestern kann ich nun auch was über die Schattenseite von Kolumbien berichten. Darío und Fabian sind erst eine Woche nach dem Studienbeginn ihrer Uni wieder von den Semesterferien daheim zurückgekommen. Und zwar konnten sie nicht eher kommen, weil die Paramilitärs die Straße blockiert haben. Das ist aber auch das einzige was mir bis jetzt zu Ohren gekommen ist und ich eine persönliche Verbindung habe. Oh, nein stimmt nicht, gestern habe ich in den Nachrichten gesehen, dass in Rionegro (da wo Medellíns internationaler Flughafen steht und ich angekommen bin) 8 Kämpfer der FARC Guerilla übergelaufen sind, also zur Polizei gegangen sind und ihr Waffenarsenal abgegeben haben.
9. Jemand hat angemerkt, dass die Leute auf den Bildern alle so jung aussehen. Darauf hatte ich geantwortet, dass die auch ein bisschen jünger sind als ich, weil sie ein Jahr früher zu studieren beginnen. Ich habe dann noch etwas nachgeforscht und herausgefunden, dass Lina, die ich auf 18-19 Jahre geschätzt habe, in Wirklichkeit 25 Jahre alt ist. In sofern sehen die Leute hier wohl doch etwas jünger aus, als sie sind. Mit der Faustformel “Wie alt könnte jemand allerhöchstens sein + 2 Jahre” habe ich vorgestern Natalie richtig auf 22 Jahre eingeschätzt.
  

Kolumbianer über Deutschland

 

Das ist jetzt wahrscheinlich nicht die ganze Wahrheit, weil ich davon ausgehe, dass sie mir da (noch) nicht alles erzählt haben und es ist auch nur, was ich von Einzelnen gehört habe, also bitte keine Vorurteile aufbauen! Aber es ist trotzdem ganz interessant.
Dass die Deutschen so friedlich sind findet man hier toll: Nein zum Krieg im Irak und, dass alle friedlich miteinander Leben (also keine Guerilla und viel weniger Verbrechen). Außerdem dann noch eine so gute Wirtschaft, keine Armen, soziale Sicherungssysteme und geistig anspruchsvolle Filme. (Ja, ist schon manchmal überraschend, was man hier so von Deutschland erfährt.) Insgesamt hält man Deutschland hier für eines der besten Länder der Welt. So ein bisschen habe ich das Gefühl die Kolumbianer wären auch gerne so und folglich wird Deutschland hier schon manchmal etwas bewundert.
Manche sehen hier Hitler nicht als den schlimmsten Menschen aller Zeiten. Gut, er war ein Diktator, der Menschen umgebracht hat, aber das haben viele andere auch. Dafür hat er für seine Ideale gekämpft und ist für sie eingestanden. Er wollte was großes Schaffen und hatte Visionen. Ein starker Mann. Natürlich habe ich dazu noch ein paar Denkanstöße, wie Gestapo, Judenverfolgung mit 6 Millionen Toten und einen fürchterlichen Krieg mit noch mehr Toten, gegeben. (Hier muss ich nochmal extra anmerken, dass ich das nur von 2 Personen bis jetzt so gehört habe, also bitte nicht verallgemeinern. Dass ich das hier überhaupt erwähne ist nur um zu zeigen, das es zum Thema Hitler durchaus verschiedene Ansichten gibt.)
Weit verbreitet ist die Ansicht, dass die Europäer nicht so besonders reinlich sind. Sich also vielleicht einmal in der Woche duschen und wie die Franzosen im 19. Jahrhundert mit Parfüm darüber hinwegtäuschen und außerdem nur gelegentlich die Zähne putzen. Ich habe dann erstmal erklärt, das es in Deutschland vielleicht auch etwas kühler ist und man nicht jeden Tag so schwitzt wie hier und sich außerdem fast alle mindestens einmal am Tag duschen. Die Unterschiede sind: Man nimmt hier Talk um sich die Füße zu waschen (damit die nicht so stinken) und man putzt sich die Zähne mindestens 3 Mal am Tag und optimalerweise nach jedem Essen. Ein Beispiel: Am Nachmittag war eine AIESEC-Newie-Schulung. Anschließend haben wir was gegessen und sind zu Angela nach Hause gefahren um später noch in eine Disco zu gehen. Nun, bevor wir in die Disco gefahren sind, haben alle ihre Zahnbürsten aus den Taschen und Rucksäcken geholt und sich die Zähne geputzt. Ja, richtig, nicht alle. Alle außer mir, dem unreinlichen Europäer natürlich.
Außerdem hält man die Deutschen im Umgang miteinander eher für kühl bis kalt. Die Kolumbianer die aber schon mehr mit Deutschen zu tun hatten haben gemeint, dass es mit richtigen Freunden schon annehmbare Temperaturen erreichen kann. Diese Ansicht würde ich so mal als nicht völlig falsch einstufen. Die Freundschaft mit einem Deutschen will halt erobert werden! 😉
Viele wollen hier Deutsch lernen und machen da auch Kurse in der Uni oder so. Ich würde sagen etwa in dem Ausmaß, wie Deutsche Spanisch lernen. Außerdem ist es erstrebenswert seine Kinder auf die Deutsche Schule zu schicken. Das ist aber sehr schwierig, weil es nur sehr begrenzt Plätze gibt (und man sich da nicht reinkaufen kann).
  

my Job

 

Es ist sehr komisch für mich hier seitenlang irgendwas in Deutsch von mir zu geben und so fallen mir auch die Überschriften dauernd in English ein. Dank dem ständigen eMail-Kontakt mit Deutschland haben sich meine Gedanken aber noch nicht völlig auf English umgestellt (so 50/50 würde ich sagen). Oder vielleicht können Sie sich auch nicht einigen ob jetzt English oder Spanisch und so bleibt es bei Deutsch?
Gestern habe ich in einer Disco eine Kolumbianerin getroffen, die in München Philosophie studiert und mich mit ihr dann auf Deutsch unterhalten. Bzw. das wollte ich eigentlich, aber aus meinem Mund sind mir immer wieder Spanische und Englische Sätze raus gekommen. Ich musste mich echt konzentrieren um Deutsch zu sprechen. Die Situation war so komisch und abgedreht, das ich die ganze Zeit grinsen musste. Das war wirklich eine extrem komische Situation für mich.
Nun, hier möchte ich mal kurz erzählen, was ich hier eigentlich so arbeite. Schließlich verbringe ich jeden Tag 9 Stunden damit. Wen das gar nicht interessiert der kann ja diesen Absatz überspringen. Aber mal ein bisschen was “off-topic” zu hören schadet meiner Meinung nach auch nicht. Außerdem besteht damit die Möglichkeit und Herausforderung (wie für mich bei spanischen Gesprächen) von ein paar Wörtern auf den Inhalt des Satzes zu schließen und den Rest dann irgendwie zusammen zu reimen.
Momentan entwickle ich ein Web-Frontend um Benutzeranforderungen (Programmerweiterungen, Fehler) in eine Oracle-Datenbank einzuspeisen. Das ist jetzt nicht gerade extrem kompliziert, aber der Sinn des Projektes besteht auch eigentlich darin eine Lösung zu finden, wie man möglichst schnell Webanwendungen programmieren kann. Vorgabe war Rapid Development wie mit VisualBasic, aber auf freier Software basierend.
Somit schied das einzige Tool das so etwas heute bereits bietet (Microsoft Visual Studio mit ASP.NET) schon von vorneherein aus. Die JavaServer Faces, das Pendant zu ASP.NET, ist leider noch nicht fertig also habe ich nach einer anderen Möglichkeit gesucht und bin schließlich bei Struts gelandet. Das Gute an Struts ist, das man von allem Standardkram (Internationalisation, Datenbank-Connectionpool, HttpRequest-Verarbeitung, …) befreit ist und sich ausschließlich um die Verknüpfungsreihenfolge der JSP-Seiten (in einer Konfigurationsdatei) und die Verarbeitung der Benutzerdaten kümmern muss (in Beans, die abstrakten Methoden dafür gibt es schon). Damit man die JSP-Seiten (eigentlich HTML mit Struts-taglibs) nicht per Hand schreiben muss gibt es einen HTML2Struts-Converter und man kann die HTML-Seiten somit in einem graphischen Editor bearbeiten. Die Schattenseite ist, dass die Fülle der Dingen, die Struts für einen macht auch zu einer Fülle von Einstellungen führt und man somit am Anfang erstmal nicht so recht den Durchblick hat. Nächste Woche bin ich mit der Entwicklung des Technologie-Prototypen wahrscheinlich fertig. Was danach kommt, weiß ich noch nicht.
Wer als Nicht-Informatiker bis hier durchgehalten hat: Tapfer! Eigentlich wollte ich jetzt hier als “Belohnung” einen Witz erzählen, aber mir fällt leider keiner ein und es hat mir hier auch noch niemand einen erzählt. Muss ich gleich mal Fragen, ob es das hier überhaupt gibt.
  

Zonalito

 

Auf einem Wochenende auf einer Finca etwas außerhalb von Medellín haben die neuen Mitarbeiter von AIESEC und die Praktikumssuchenden (aka Outgoer) ihr erstes Wissen über die Organisation gesammelt. Das findet hier pro Lokalkomitee statt und umfasst vom Inhalt her ungefähr: Vorstellung der Teams des Lokalkomitees (SN, TN, Finance, …), Welche Schritte beinhaltet der Praktikantenaustausch? (Firma suchen, Matching, Praktikantenbetreuung, …), Was ist das Ziel von AIESEC?, Internationalität (Das war Ernestas und mein Teil. Und alle wollten die Länderpräsentation von Debashish, dem Praktikanten aus Indien, hören, doch der wollte lieber das ganze Wochenende für die Firma arbeiten und ist nicht mitgekommen.)
Besonders ist mir dabei aufgefallen, dass hier fast alles irgendwie mit Musik und Tanzen war. So mussten die Leute beim AIESEC-Quiz nicht nur Fragen beantworten, sondern auch noch einen Song anhand eines kurzen Ausschnitts erraten. Die beste Frage war: Wie wird der Chef des Lokalkomitees genannt: LCP, MTV oder AngiP? (Angela ist momentan LCP.) Okay, wahrscheinlich ist die Frage jetzt nicht ganz so irre das man gleich vor Lachen vom Stuhl fällt, aber ich finde das Wortspiel gut. Oder als bei einem Rätsel 3 Gruppen die gleiche Punktezahl erreicht hatten mussten sie eben gegeneinander tanzen. (Meine Gruppe hat gewonnen!) Oder es wurde ein Wort angesagt und das Paar, das als erstes ein Lied mit dem Wort vorgesungen hat, hat einen Punkt bekommen.
Irgendwann gab es dann auch noch eine Wasserbombenschlacht, die folgenden Verlauf genommen hat:
Mit Wasserbomben werfen. > Mit Bechern Wasser über die Anderen schütten. > Mit Kübel und Kochtöpfen Wasser über die Anderen schütten. > Das Mehl, das neben dem Waschbecken stand den anderen ins Gesicht und in die Haare schmieren. > Einen nach dem anderen zum Pool tragen und mit Kleidung rein werfen. > 3/4 Stunde lang Wasserball spielen. > AIESEC-Quiz am Pool.
  

Plata – Geld

 

Aus meinem Traum 1.000.000 als Gehalt zu bekommen ist leider nichts geworden, denn hier wird das Gehalt alle zwei Wochen bezahlt und so bekomme ich eben nur 523.000 Pesos auf einmal. Ist trotzdem ein ganz schön dickes Geldbündel. Und ehrlich gesagt, weiß ich noch gar nicht, was ich damit anfangen soll. Denn nach der Miete von 390.000 Pesos bleibt ja immer noch ein dicker Batzen übrig und das große Problem: Hier ist alles so billig. Ein paar Beispiele: Busfahrt in die Innenstadt 800 Pesos = 25 Cent; Cola in der Disco 2.000 Pesos = 66 Cent; Eintritt in die Disco, den man dann auch noch als Getränke Gutschein bekommt 5.000 Pesos = 1,56 Euro; mit dem Taxi quer durch die ganze Stadt 5.300 Pesos = 1,66 Euro; teure Schuhe 88.000 Pesos = 27,50 Euro; usw. Normalerweise achte ich gar nicht auf den Preis, weil sowieso alles so billig ist.
Toll oder? Schön wär’s! Alleine irgendwo rumzuhängen und mein Geld auf den Kopf zu hauen macht nicht wirklich Spaß (mir jedenfalls nicht). Und die Kolumbianer lassen sich nicht so richtig gut einladen. Na gut, ich würde es auch nicht mögen, wenn mich dauernd einer einlädt, aber sie sind alle so nett und hilfsbereit und ich habe wirklich genug Geld dafür!
Da muss ich mir wohl noch irgendwas einfallen lassen. Ich könnte ja durchs Armenviertel fahren und das Geld aus dem Auto rauswerfen und alle strömen zusammen und freuen sich. Allerdings halte ich nicht so viel von Geldspenden an Arme. Entonces, qué mas? Juan hat vorgeschlagen, ich solle mir ein Auto kaufen. Aber was bitte soll ich mit einem Auto, wenn das Taxi fahren so billig ist? Oder ich kaufe mir ein Auto mit Chauffeur. Autos sind wenigstens schön teuer (so wie in Deutschland) und haben dann auch noch laufende Kosten. Ja, das ist es!
Eine Hausangestellte verdient übrigens etwa 150 Euro pro Monat und ein Top-Programmierer etwa 550 Euro. Oh, und ein Reihenhaus kostet circa 33.000 Euro.
Die letzte Woche stand dafür ganz im Zeichen der Armut. Denn das Geld, das ich mitgebracht hatte war aufgebraucht und mit meinem Gehalt gab es Probleme und so habe ich die ganze Woche über von nur 200 Pesos gelebt. Es war aber überhaupt kein Problem, da mich alle dann eben eingeladen haben.
Mit Kreditkarte zu bezahlen hat sich übrigens als nicht so tolle Lösung herausgestellt, denn zusätzlich zu dem Kaufpreis muss man noch etwa 11% zusätzlich zahlen. Dafür kann man dann entscheiden, ob man nach 1, 2 oder 3 Monaten zahlen will (wenn ich das richtig verstanden habe). Daher ich jetzt im Bargeld schwimme hat sich das wohl inzwischen sowieso erledigt.
  

Medellín Downtown

 

Die Innenstadt gilt unter den Einheimischen als Stadtteil, wo man Vorsicht wallten lassen sollte. Das bezieht sich aber hauptsächlich auf Diebstähle und bedeutet konkret gar nichts, außer, dass man besser weitergeht, wenn ein fies aussehender Typ einen anspricht. Es sind aber viele Polizisten und private Sicherheitsleute unterwegs und passen auf. Überhaupt gibt es sowieso überall, wo man was klauen könnte, also beim CD-Laden, beim Handy-Shop, Bank, usw. und generell in Einkaufszentren, Sicherheitsleute mit Gewehr die aufpassen. Ich weiß nicht so recht. So besonders sicher fühle ich mich jedenfalls nicht, wenn da überall Leute mit Waffen rumlaufen. Neulich hat kurz vor mir ein Geldtransporter bei einer Bank angehalten und dann sind sofort zwei Typen mit Maschinengewehren im Anschlag raus gesprungen und haben wie wild rum geschaut und überwacht. Ist wohl besser, dass ich zartbesaiteter Junge Zivildienst gemacht habe und nicht bei der Bundeswehr war. Außerdem ist es gut, dass ich nicht wie ein Schwerverbrecher aussehe, also hoffentlich nie mit den Sicherheitsleuten in Kontakt komme. Wenn man mit dem Auto ins Einkaufszentrum kommt muss man vor der Tiefgarageneinfahrt – je nach Einkaufszentrum unterschiedlich – entweder den Kofferraum öffnen, aussteigen und das Auto durchsuchen lassen oder anhalten und warten, bis die Sicherheitsleute den Boden des Autos mit Spiegeln begutachtet haben. Als Fußgänger werden vorm Eingang gelegentlich die mitgebrachten Plastiktüten durchgeschaut oder vor der Disco wird man abgetastet.
Nun, außer den Sicherheitsleuten sind noch tausende anderer Menschen in der Innenstadt unterwegs und es ist ziemlich eng. Und wo sich ein bisschen Platz bietet hat ein Händler seinen Stand aufgebaut. Da kann man dann alles Mögliche, von gegrillten Maiskolben über Sonnenbrillen, Uhren und allen erdenklichen Früchten bis zu BHs kaufen. Um einen Konsumrausch bei den Passanten auszulösen haben viele Geschäfte noch einen “Einpeitscher”, der vor der Tür steht und laut ausruft, was es in dem Geschäft gibt. Wenn drei nebeneinander stehen und man kein Wort mehr versteht fängt der Vierte rhythmisch zu Klatschen an um auf seinen Laden aufmerksam zu machen.
Die Obstverkäufer besprühen ihre Früchte dauernd mit Wasser um sie frischer aussehen zu lassen. Bei einem der Händler haben wir ein paar Mangostücke in einer Plastiktüte gekauft und weil er gerade beim besprühen war hat er dann eben auch die Plastiktüte von außen besprüht und uns darauf hingewiesen wie frisch hier alles ist (einschließlich der Plastiktüte?).
Leider ist die Luft in der Innenstadt spürbar schlechter als anderswo. Wahrscheinlich, weil sich hier so gut wie alle Buslinien treffen. Denn was aus den Bussen hinten raus kommt ist eine deutlich sichtbare schwarze oder graue Wolke und wenn man zu nah dran ist fliegt einem der Dreck ins Auge und das merkt man. Um das Problem zu bekämpfen hat man Steuern je nach Abgasgüte eingeführt (also wie in Deutschland) und dadurch hat sich die Busflotte von einem Durchschnittsalter von 30 Jahren auf eines von 10 Jahren verjüngt. Aber auch die neuesten Busse blasen ihre Wolken in die Luft und die Autos und Motorräder natürlich auch. (Aber bei denen sieht man das nicht so gut.)
Als ich das erste Mal in die Innenstadt gekommen bin habe ich gedacht, ich wäre in einem anderen Land. Das ist so richtig anders als in Deutschland und zieht mich irgendwie an.
  

Fazit

 

Momentan gefällt es mir hier richtig super toll.
Folglich bleibe ich wohl noch ein bisschen. :-)
Ein wichtiger Grund dafür, dass ich es hier also so schön empfinde, dürfte aber auch sein, dass ich nicht für die Uni lernen muss und somit das Leben in vollen Zügen genießen kann.
Daher ich außer diesem Bericht und einem Buch über Pablo Escobar, das mir Cesar geliehen hat, zuhause nichts zu tun habe ist es auch manchmal nicht gerade besonders spannend und dann gehe ich spazieren oder organisiere mir was (= trieze die AIESECer hier mit mir irgendwas zu unternehmen). Sebas, der für mich zuständige Praktikantenbetreuer, hat schon gemeint, meine dauernden Ausflüge und sozialen Kontakte treiben ihn noch in den Wahnsinn, denn immer wenn er anruft oder vorbei kommt, bin ich gerade nicht da. Na ja, damit wird er leben müssen.Ich wünsche euch allen dass es euch gut geht und ihr auch das Leben etwas genießen könnt.
Arbeit ist nur das halbe Leben! Vor zwei Monaten noch hätte ich das wahrscheinlich selbst nicht geglaubt. So schnell kann es gehen. :-)

Adios!

Flo

PS: Sorry, dass es diesmal etwas “länglich” geworden ist. Aber ich habe mich schon zurück gehalten.