Schneehöhle

Setting

Wir sind in die Berge gefahren. Es ist kalt. -15°C.
Oben aus der Gondel raus und aus dem Skizirkus raus und marschieren und die Maschine springt an. Der Automatismus läuft an. Der innere Schweinehund wird gebändigt und eingespannt und dann ziehen alle an einem Strang und es wird marschiert und marschiert. Und fühlt sich wohler und wohler. Und die unwirtlich kalte weiß-in-weiß Landschaft verliert die Kälte und baut ihre Mystik auf, baut ihren Abenteuer-Charakter auf.
Und tut sich das erste Wolkenloch auf und ehe wir uns versehen wandern wir mehr in der Sonne und es ziehen nur noch ein paar Wolken vorbei und letztendlich sind wir über den Wolken. Die Wolken wobern unten im Tal und wir sind oben im gleißenden Schnee und einzelne Schneekristalle wirbeln im Wind und machen die Luft glitzern. Es ist wunderschön.

Graben

Nach kurzen Sondierungen ist die Stelle für die Schneehöhle ausgewählt und das Graben beginnt. Zuerst nur in Stufen runter. Kein Problem. Dann wird der Tunnel gegraben und dabei liegt man mit dem Kopf voraus in einem engen Schneetunnel und rammt mit aller Kraft die Schaufel vor sich in den Schnee und versucht dann ein Stück herauszustemmen. Und wieder mit voller Kraft wird die Schaufel in den Schnee gerammt und versucht dem Schnee einen Brocken abzutrotzen. Und wieder und wieder. Teilweise fallen einem die Schneebrocken ins Gesicht auf die Hände. Oder noch schlimmer, es bricht kein Brocken raus. Ein Kampf. Die Brocken verstopfen die Röhre in der man liegt. Man gräbt sich praktisch durch den Schnee und ist irgendwann von Schnee umgeben. Die Schneebrocken müssen entlang des Körpers mit den Beinen nach hinten befördert werden dabei gräbt man sich so richtig ein, da man hinter sich den Tunnel verstopft und es wird dunkler und dunkler und es bleibt nur noch die Hoffnung, dass der hinter einem die Mauer die man hinter sich auftürmt wieder weg schaufelt. Wenn er dann auch noch vor dem letzten Lichtspalt steht wird es manchmal doch sehr dunkel und man spürt die Enge und muss sich überwinden um noch mehr Brocken herauszustemmen um sich noch mehr einzugraben. Doch schnell wird es von hinten wieder heller wenn die Mauer abgegraben wird und die Euphorie wächst wieder über die Arbeit und was man macht und unter unermüdlicher Anstrengung geht es doch voran.
Nach einer Zeit wird durchgetauscht und wenn man dann wieder nach vorne kommt und es schon viel größer ist alles, motiviert das noch mehr zu geben und sich durchzugraben und noch größere Blöcke rauszuwuchten.
Bis dann nurnoch notdürftig ein bisschen Innenausbau stattfindet.

Abend

Es ist eine der kältesten Nächte des Jahres und hat etwa -25°C. Meine Handschuhe frieren dauernd an der Schaufel fest, sodass ich die Schaufel dann erst nach einer Weile, wenn ich durch meine Hände das Metall der Schaufel wieder ausreichend erwärmt habe wieder loslassen kann. Einer muss immer draußen stehen und den Kocher bewachen. Mein Bruder stapft nur von einem Bein aufs andere um nicht zu erfrieren. Nach 10 Minuten wird gewechselt und man kommt zum aufwärmen in die Schneehöhle. Das ist sureal. Man geht in ein Schnee- und Eisloch um sich aufzuwärmen. In der Schneehöhle hat es leicht über 0°C, meine steifgefrorenen Handschuhe lassen sich ein bisschen bewegen.
Ich habe gute Kleidung und noch die Wärme des Grabens in mir und so stehe ich draußen beim Kocher und kann während ich dem starken Wind versuche auszuweichen noch ein paar Lieder trällern.
In der Höhle ist es angenehm, natürlich auch, weil jeder viel Kleidung an hat. Das Teelicht, dass wir in eine Nische in der Schneewand gestellt hatten schmilzt sich langsam in den Boden ein und ist inzwischen nur noch ein schimmern hinter dem Schnee.
Irgendwann vergraben wir uns in unseren Schlafsäcken. Zuerst ist es noch etwas frisch und man wartet und hofft, dass die Isolationswirkung bald anspringt und der Schlafsack dann aufgeheizt ist und man in wohliger Wärme liegt. Mein neuer Schlafsack ist tatsächlich super und schon nach ein paar Minuten ist mir angenehm warm und nur um die Nase ist spürt man die schneidend kalte Luft. Ein paar Mal bin ich aufgewacht, weil ich mich bewegt hatte und dann das kalt-Luft-atem-Loch an meiner Schulter war anstatt an meiner Nase und das war dann sofort unangenehm und verspannend. Aber generell habe ich super geschlafen. Toll.

Morgen

Es ist richtig schön warm und kuschlig im Schlafsack und so bin ich noch liegen geblieben. So als Resümee habe ich gezogen, dass es doch a bisserl feucht ist: die Handschuhe, die Stiefel, Alles. Um dann zu bemerken: Eigentlich ist es extrem trocken dafür, dass wir in der Schneehöhle ja von Wasser umschlossen sind! Wir sind mitten im Wasser!
Wenn jemand rein kommt und somit den Tunnel verstopft, durch den das Licht kommt. Dann wird es nicht dunkel. Dann fängt die Decke ganz super wunderschön in blau zu strahlen an!
Irgendwann hat sich dann auch der letzte Flo aus dem Schlafsack geschält und das Licht der Welt draußen erblickt. Strahlender Sonnenschein und wunderschön und wunderbar und traumhaft und unglaublich, wenn man es nicht selbst gesehen hat oder eigentlich erst recht, wenn man es gesehen hat.

Heimfahrt

Auf der Heimfahrt gab es noch einen typisch schönen orange-kühlblauen Sonnenuntergang über dem Feld hinter Gmund. So wie ich schon viele Gesehen hatte. So wie schon viele wunderbare Bergtage besiegelt wurden. Ich habe der Sonne nachgeblickt und war ergriffen. Der ganze Ausflug war so unglaublich und so unglaublich schön. Wie schön, dass ich so etwas erleben durfte! Danke! DaAAAAAaaanke! Ich hab mir den lieben Gott her gerufen, damit ich irgendwen habe, bei dem ich mich bedanken kann. Es war echt unglaublich und ich musste meine Dankbarkeit los werden. Da musste der liebe Gott her halten.
Ich fühle mich echt so wunderbar beschenkt. Ein so unglaubliches Geschenk und so viel Dankbarkeit, dass ich das erleben durfte!